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Was ist Kum Nye?

Kum Nye ist eine sehr alte Übungsmethode, die einerseits an das tibetische Yoga-System, andererseits an die medizinische Tradition Tibets anknüpft. Dieses Übungssystem wurde von Tarthang Tulku, der es in den 1969 Westen brachte, an die Besonderheiten der westlichen Gesellschaft und die hiesigen Lebensbedingungen bzw. Problemlagen angepasst.

Das Übungssystem besteht aus

stillem Sitzen,

der Konzentration auf den Atem,

sehr langsam ausgeführten Körperbewegungen,

dem Singen von Mantras

und Selbstmassage mit Druckpunkten.

Alle Übungen können von jeder und jedem sehr leicht geübt werden. Es sind keine speziellen Voraussetzungen zu erfüllen, weder eine besondere Gelenkigkeit, intellektueller Wissenstand oder andere individuelle Eigenschaften sind erforderlich.

Bei den Übungen geht es darum, sich auf die eigene innere Erfahrung einzulassen, die durch die Übungen angeregt wird. Die auftauchenden Empfindungen, Gedanken, inneren Reaktionen werden auf der Grundlage von wachem Interesse und Zugewandtheit zu sich selbst betrachtet.



Wirkungen von Kum Nye

Da Kum Nye eine sehr umfassende Methode ist, wirkt sie sich auf mehreren Ebenen heilsam aus. (Wissenschaftliche Untersuchungen dazu wurden z. B. von Prof. Dr. Peter Machemer und seinen Mitarbeitern, Fachbereich Psychologie, Universität Osnabrück, durchgeführt. Es konnte nachgewiesen werden, dass sich Kum Nye sehr gut zur Streßprävention bzw. beim Streßmanagement einsetzen lässt. Auch ein an der Universität Osnabrück entwickeltes meditatives Stressbewältigungsprogramm (MSP) beruht zum größten Teil auf Kum Nye.

Wer Kum Nye übt, wird je nach Übungsdauer unterschiedliche Wirkungen erfahren, wie sie in den folgenden Punkten genannt werden:

Kurzfristige Wirkungen

Das stille Sitzen mit einer weichen Konzentration auf den natürlichen Atemfluss ermöglicht es, die betriebsame Hektik des Alltags hinter uns zu lassen. So erleichtert Kum Nye den Prozess des Loslassens, ermöglicht eine erste Annäherung an das Erleben von Entspannung und Ruhe.

Die Bewegungsübungen helfen dabei, Verspannungen auf der körperlichen Ebene zu lösen. Sie regen auf unterschiedliche Weise den Energiefluss an, was die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützt.

Die sanfte Art des Übens beruhigt den Geist und stärkt die Fähigkeit der inneren Zentrierung, so dass wir uns ausgeglichener fühlen. Durch die Zuwendung zu uns selbst und den Empfindungen im Körper stellt sich ein Gefühl des Bei-Sichseins ein.

Kum Nye fördert unsere Wahrnehmungsfähigkeit, sowohl für unseren Körper als auch für unsere Gefühle. Dabei werden die Sinne geweckt, wodurch einfache Dinge des Alltags wieder in einem anderen Licht erscheinen.

Beim Üben können verschiedene Gefühle auftauchen, die zu unserem menschlichen Erfahrungsbereich gehören: z. B Gefühle von Trauer oder Wut, die wir meist festhalten oder unterdrücken, weil sie uns unangenehm sind. Diese Gefühle zuzulassen und anzunehmen, hat eine sehr heilsame Wirkung, da sich so Verspannungen und Blockaden lösen können.

Ebenso tauchen Empfindungen von Freude, innerer Ruhe oder Vertrauen o. ä. auf, die ja ebenso zu unserem Gefühlsbereich gehören - also nicht irgendwo im Aussen gesucht werden müssen.

 

Langfristige Wirkungen

Das Üben von Kum Nye ist darauf angelegt, das innere Erleben anzuschauen, ohne sich davon aufsaugen oder mitziehen zu lassen. So machen wir dabei die Erfahrung, dass es nicht die Gefühle sind, die uns beherrschen, sondern dass wir entscheiden können, wie wir mit ihnen umgehen. Mit anderen Worten: wir lernen, Verantwortung zu übernehmen für unsere Gefühlswelt, ohne uns mit Selbstvorwürfen zu belasten und uns klein und wertlos zu fühlen.

In den Übungen geschieht es oft, dass wir eine innere Reaktion erkennen, die uns an das erinnert, was wir auch in unserem täglichen Leben erfahren. Uns wird bewusst, dass wir oft den gleichen Reaktionsmustern folgen, ohne uns zu fragen, ob uns dieses Verhalten gut tut oder nicht. Durch das Üben von Kum Nye ist es möglich, sich von solchen Automatismen zu verabschieden und sie durch wohltuendere Alternativen zu ersetzen.

Das Prinzip der Achtsamkeit spielt beim Üben die wesentliche Rolle: durch die bewusst langsam ausgeführten Bewegungen vertieft sich unsere Wahrnehmung für die Empfindungen. In Verbindung mit dem wertfreien Betrachten entwickelt sich in uns allmählich eine Akzeptanz dessen, was sich in uns gerade zeigt - d. h. wir lernen immer mehr uns mit dem anzunehmen, wie wir gerade sind.